Rheinbote

 Kuba
 

Express vom 20.06.2006

WZ vom 20.06.2006

“Der Sohn des Son”
Frankfurter Allgemeine Zeitung
24.8.2006

Juan de Dios war einer der berühmtesten Musiker Kubas - bis zu Castros Aufstieg / Von Phillip Eppelsheim

DÜSSELDORF, 23. August. Juan de Dios traf die drei Männer 1956 in einem kubanischen Restaurant in Mexiko-Stadt. Er war 25 Jahre alt, einer der bekanntesten kubanischen Saxophonisten, trat in Clubs wie  „Pigalle” und „Colibri” auf, tourte durch Mexiko, Guatemala und Honduras und spielte den Son. Die drei  Männer, die er an diesem Abend kennenlernte, sollten sein Leben verändern. Sie sollten ihm alles nehmen: die Musik, die Liebe, die Freiheit und die Gesundheit. Es waren der junge Rechtsanwalt Fidel Castro, sein Bruder Raúl und der Arzt Che Guevara. „Sie hatten kein Geld und sahen aus wie Landstreicher, sagt Juan de Dios. Raúl schenkte er seinen Mantel aus Mitleid. Seit jenem ersten  Aufeinandertreffen sah Juan de Dios die Männer regelmäßig. Sie wollten Batista stürzen. „Laß doch deine Musik und komm mit uns`, sagte Fidel Castro zu ihm. Doch Juan de Dios lehnte ab: „Ich bin Musiker, kein Soldat.” Jahre später sollte Juan de Dios den drei Männern wieder begegnen – als Gefangener auf Kuba.

Seit 1979 lebt Juan de Dios mit seiner Frau in Düsseldorf. Die 50 Quadratmeter große Wohnung ist seine Zuflucht geworden. Hier betet der 75 Jahre alte Musiker vor dem Hausaltar im Flur, vor dem Bild der Muttergottes. Er kümmert sich um seine Katze und versucht, nicht an die Vergangenheit zu denken. Sein Leben vor seiner Zeit in Europa existiert nicht, nicht auf den zahlreichen Fotos in der Wohnung und wenn möglich auch nicht in der Erinnerung. Sein Saxophon holt Juan de Dios meist nur noch hervor, wenn Besuch kommt. Dann zieht er sich seinen dunklen Anzug an und legt den abgenutzten türkisfarbenen Trainingsanzug beiseite. Die vier Jahre Gefängnis auf Kuba und die Flucht vor Castro haben Spuren hinterlassen. Die drei Männer waren sein Schicksal. Er haßt sie und spricht es deutlich aus, hier in seiner kleinen Zweizimmerwohnung in der Düsseldorfer Innenstadt: „Asesinos” nennt er sie – „Mörder".

Die Narben auf dem Rücken sind fast nicht mehr zu sehen. Aber sein Gesicht ist gezeichnet von zwei Herzinfarkten. Vor einigen Wochen hatte er einen Schlaganfall. Er muß viel schlafen und darf sich nicht aufregen. Deshalb läßt er seine Frau Monika reden. Nur ab und an unterbricht er sie und sagt einige Sätze in dem melodischen Spanisch Kubas. Dann wippt er wieder mit den Beinen und den Händen und nickt mit dem Kopf. Den Son in Gedanken, um sich nicht an die Leiden vor mehr als vierzig Jahren erinnern zu müssen.

Damals, nachdem er den Rebellen die Gefolgschaft verweigert hatte, ging seine Musikerkarriere weiter. Juan de Dios verdiente als einer der beliebtesten Musiker der Karibik Millionen. Im „Buena Vista Social Club” feierte er seine ersten Erfolge. Mit der „Queen of Salsa”, Celia Cruz, ging er auf Tournee, und er spielte mit dem „König des Mambo”, Pérez Prado. Mit 33 Jahren war er auf dem Höhepunkt seiner Karriere, und auch in der Liebe hatte er Glück. Die Heirat mit der mexikanischen Bankierstochter  Olivia war schon vorbereitet. Doch Juan de Dios hörte immer öfter von chaotischen Zuständen in seiner Heimat, nachdem die Revolutionäre Fidel Castros im Januar 1959 in Havanna einmarschiert waren. Er hörte von der Jagd auf „Konterrevolutionäre” und von Erschießungen. Da beging Juan de Dios den wohl größten Fehler seines Lebens. Fünf Jahre nachdem Castro an die Macht gelangt war, entschied er sich, nach Havanna zurückzukehren, um seine Familie finanziell zu unterstützen. „Er war wie besessen”,sagt seine Frau, und wollte nur seiner Familie helfen.” Nur eine Woche wollte er bleiben, dann seine Olivia heiraten. Doch er verbrachte vier Jahre in Gefängnissen auf Kuba. Olivia sah er nie wieder:  Als sie von seiner Inhaftierung hörte, nahm sie sich das Leben.

Kurz vor seiner Abreise verhafteten Soldaten Castros Juan de Dios. Sie schlugen ihn und zerrten ihn auf  die nächste Polizeiwache. Ohne Prozeß wurde er ins Gefängnis geworfen. Der Vorwurf: „Landesflucht”. Die ersten Wochen verbrachte Juan de Dios in einem finsteren Verlies. Nackt, in einer Zelle ohne Fenster, ein Loch im Boden als Abort, umgeben von Ungeziefer. Dann brachte man ihn in das „Castillo del Morro”. Dort wurden nachts Gefangene an einen Pfahl gebunden und erschossen. Beinahe jede Nacht  erklangen die Schreie, die erst mit der Gewehrsalve verstummten. Dort sah Juan de Dios auch Fidel Castro und Che Guevara wieder. „Sie schauten sich manchmal die Erschießungen an”, sagt Juan de Dios. Sie hätten ihn erkannt und getuschelt. Das sei doch der Musiker aus Mexiko, hätten sie gesagt. Dann seien sie wieder gegangen.

Als junger Mann

Eines Nachts zerrten die Wachleute auch Juan de Dios aus seiner Zelle. Sie banden ihn an den Pfahl. Zehn Männer mit Gewehren reihten sich vor ihm auf. Juan de Dios hatte mit seinem Leben abgeschlossen. Was in diesen Momenten geschah, erzählt er selbst. Jede Sekunde hat sich ihm eingebrannt. „Die Soldaten hatten die Gewehre im Anschlag. Ich schloß die Augen und wartete und wartete. Doch nichts geschah. Als ich die Augen öffnete, stand mein alter Freund Hektor Ardama vor mir.” Dieser war inzwischen Chef der Geheimpolizei geworden. Er rettete Juan de Dios das Leben und ließ ihn ins Straflager „Pinar del Rio”  bringen. Bei täglicher Arbeit auf den Zucker- und Tabakfeldern verbrachte Juan de Dios dort die letzten Jahre seiner Gefangenschaft.

1968 wurde Juan de Dios entlassen. Er sollte seinen Gesinnungswandel, die Treue für Fidel Castro, als Soldat in Afrika unter Beweis stellen. Doch dem ehemaligen Starmusiker gelang die Flucht. Er schwamm zwei Kilometer zu einem vor Havanna ankernden griechischen Frachter, dessen Besatzung ihn aufnahm. An  Bord dieses Frachters gelangte Juan de Dios nach Triest. Der Name des Schiffes: „I hope”. Im Vatikan erhielt Juan de Dios Asyl. Er hatte alles zurücklassen müssen. Seine Heimat und seine Familie sah er nie wieder. Seine  Angehörigen hielten ihn für tot, von seinem ehemaligen Ruhm blieb nur die Erinnerung. Nach zwei Jahren  in einem Heim des Vatikans versuchte er, in Spanien wieder als Musiker zu arbeiten. An seine ruhmreiche Zeit konnte er jedoch nicht anknüpfen. Mit Gelegenheitsjobs hielt er sich über Wasser. Aber er traf  einen Menschen, der ihm dabei half, nicht aufzugeben – seine zweite große Liebe, die er 1979 heiratete.

Von seinem Schicksal erzählte Juan de Dios seiner Frau aber erst Jahre, nachdem sie sich kennengelernt hatten. Sie wollte es nicht hinnehmen, daß ihr Mann niemals etwas von seiner Familie hören würde. Sie schrieb an Hilfsorganisationen, Botschaften und Wirtschaftsunternehmen. Und nach 25 Jahren hatte sie  Erfolg. Das Auswärtige Amt teilte Juan de Dios die Telefonnummer seiner Schwester Carolina mit. Wenig später erfuhr er von einer weiteren Schwester in New York. Seitdem sind zahlreiche Briefe hin und her  gegangen. Überall an den Wänden der Wohnung hängen Fotos von Geschwistern, Nichten und Neffen. Und  Fotos von einem Treffen mit seinen Freunden aus dem „Buena Vista Social Club”.


                            Juan des Dios im Buena Vista Social Club. Er hat den Arm um den Sänger Pio Leiva gelegt,
                                                rechts von ihm sitzen der Sänger Martin und der Pianist Cabarocca.


2002 konnte er seinem alten Musikerfreund Pio Leiva die Hand schütteln, bevor sich ein kubanischer Kultursekretär  dazwischenschob.

Jetzt soll das Leben von Juan de Dios verfilmt werden. Er hofft, bei den Dreharbeiten seine Schwester Carolina endlich wiedersehen zu können. Seine Frau aber hat Angst vor diesem Tag. „Er denkt an das Kuba vor Castro, als die Musik überall war. Wenn er das Kuba von heute sieht, bricht es ihm das Herz.” Die Sehnsucht nach Kuba wird Juan de Dios immer haben. Doch bei seiner Frau in der kleinen Wohnung in Düsseldorf hat er seinen Frieden gefunden. Er liest in der Bibel, geht in die Kirche oder schaut  einfach aus dem Fenster. Und manchmal, wenn ihn die Sehnsucht besonders packt, dann holt er sein Saxophon hervor und spielt den Son, jene zeitlose kubanische Musik, die ihm sein Kuba wiedergibt und den Schmerz vergessen läßt.

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Meerbuscher Nachrichten  1.4.2006
Mambo Cha-Cha-Cha

Der Saxophonist Juan de Dios war Mitglied im legendären Buena Vista Social Club.
Jetzt möchte der Musiker zurück nach Kuba.

meerbusch

Monika Bandera hat das spannende Leben ihres Mannes Juan de Dios aufgezeichnet.
Foto: Falk lanning

„Komm mit uns. Gib deine Musik auf, stürze Battista und kämpfe für den Kommunismus,
das Paradies.”
Ein Hauch von Geschichte wehte über die „Frühstücksgespräche' der evangelischen Kirche’Lank, als Juan de Dios von seiner Begegnung mit Fidel Castro berichtete - vor fast 50 Jahren.
Der junge aufstrebende Saxophonist hatte es gerade geschafft, war Mitglied im
„Buena Vista Social Club”  geworden und ging in der High Society von Kuba und Mexiko
ein und aus.
Eine glänzende Zukunft lag vor ihm. Was scherte ihn da die Revolution?
Monika Bandera, Ehefrau des  kubanischen Musikers, hat dessen spannendes Leben im
Buch „Mambo Cha-Cha-Cha” aufgezeichnet.
Sie erzählt von seiner Verhaftung, als Dios die Insel verlassen wollte, um seine mexikanische Braut zu  ehelichen: „Illegale Landflucht” warf man ihm vor. Er wurde eingekerkert und eines Nachts geholt,um  erschossen zu werden - ohne Gerichtsverfahren. Gerettet wurde er wahrscheinlich nur durch seine  Bekanntschaft mit dem damaligen Geheimdienstchef Hektor Ardama. Er wurde zu vier Jahre Arbeitslager  verurteilt. Danach sollte er in Angola seine
Treue zum Vaterland beweisen. Doch so weit kam es nicht.  Juan de Dios floh.Seitdem ist er nicht mehr in Kuba gewesen. Er sehnt sich nach seiner Familie, mit der er jahrelang  keinen Kontakt hatte. Man hatte ihm mitgeteilt, dass es keine Familie Dios
auf Kuba gäbe. Erst auf  Initiative des damaligen Bundeswirtschaftsministers Werner Müller (Bandera: „Er hatte einen Koffer  voller Geld dabei”) fand er die Schwester mit Familie,
konnte mit ihr telefonieren und Briefe schreiben.  Doch das Glück währte nur kurz. Dann konfiszierte die kubanische Polizei die Briefe und kappte die  Telefongespräche. Auch der Kontakt zu den ehemaligen Kollegen vom Buena Vista Social Club wurde von  einem kommunistischen Funktionär auf ein Minimum reduziert, als Juan de Dios diese vor wenigen Jahren  nach einem Konzert in der Düsseldorfer Tonhalle besuchen wollte. Doch nun gibt
es mit dem Rückzug Fidel  Castros aus der Politik neue Hoffnung. „Juan will mir alles zeigen - wo er als Kind gespielt hat, in  welchen Clubs er aufgetreten ist”, freut sich Monika Bandera schon.

meerbuschschwweiss

Juan de Dios Se Llevó Su Son de Cuba
2006-10-07

von Jorge Garcia Vazquez

Berlín, Agosto del 2006.

Hace unas semanas terminé de leer Mambo Cha-Cha-Cha, una corta biografía sobre el músico cubano Juan de Dios. Exiliado desde hace más de 4o años y residente en Düsseldorf, Alemania Juan fue olvidado, no solo por Wim Wenders cuando realizó el documental Buena Vista Social Club del cual el también fue miembro, sino también por la nueva generación de músicos cubanos.

El excelente saxofonista compartió el escenario con Celia Cruz, Mongo Santamaría, Enrique Jorrín, Ibrahim Ferrer y Cachaito López entre otros. Partió hacia México y junto a Dámaso Pérez Prado y el Benny Moré llenaron de sabor cubano los Nightclubs de México City. En esta ciudad conoció también a los hermanos Castro y a Ernesto Guevara que ya preparaban la expedición del Granma."

Fuimos a tomar una cerveza y me felicitaron por mi éxito musical, en un restaurante cubano que estaba en la calle San Juan de Letrán. Fidel Castro me dijo: Vamos con nosotros, deja la música, vamos a tumbar a ¡Batista! Sonriente le respondí: No, yo soy músico y no soldado. De esta forma me distancié de ellos."

Juan se entera en México de la toma del poder por Fidel Castro. Regresa a Cuba por dos semanas y es arrestado. Sufre torturas, maltratos y a punto de ser asesinado en el Castillo del Morro, un amigo le salva la vida suspendiendo el fusilamiento. Conoce la prisión en la Isla de Pinos de donde es trasladado para Pinar del Rió a un campamento donde tiene que trabajar más de 10 horas diarias. Después de 4 años es puesto en libertad con la condición de que fuera como soldado a África.

Juan decide escapar y con la ayuda de un marinero griego logra, nadando de noche, alcanzar un barco en las afueras del puerto de la Habana. Después de un largo viaje logra llegar al Vaticano donde se le concede asilo político. En España conoce a la "mujer rubia del norte" que muchos años antes le había anunciado su tío Díaz. Deciden casarse e ir a vivir a Alemania. Es diciembre de 1978.

Le siguen los duros años del exilio, la separación de su familia en Cuba, la cual puede localizar 40 años después de su fuga. Desde su llegada a Alemania nunca más ha vuelto a actuar. A veces lleno de nostalgia toma el saxofón y toca algunas notas que lo hacen soñar con su isla amada. En el 2002 pudo ser feliz por algunos instantes cuando el Buena Vista Social Club, se
presentó en Düsseldorf y el cantante Pío Leyva lo reconoció inmediatamente.

Juan es un hombre marcado por la represión Castro-Comunista, la que ha dejado profundas heridas en su cuerpo y en su alma. Un sistema que no perdona a los que piensan diferente, a los que no adulan ni cantan himnos al dictador de turno. Hace algunos días conversé con su esposa Monika, autora de la biografía y de otros libros sobre el tema cubano y hablamos sobre el documental que esta en preparación sobre la vida de Juan de Dios, testimonio de la música y el exilio. Juan ha podido sobrevivir todos estos años por su Fe, por el Amor de su esposa, el amor a Cuba y a su música, a ese Son que se llevó para que no fuera prisionero de los caprichos de un tirano.

Deutsche Übersetzung folgt.

              2007juanumonika                           2007juan

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Konservative Deutsche Zeitung vom Januar 2007

 

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Express/Düsseldorf vom 21.3.2007

Exilkubaner de Dios:
Sein Leben als Film

Weil er Fidel Castro bei der Revolution nicht unterstützte, landete Juan de Dios 1959 im Gefángnis auf Kuba. Vier Jahre lang wurde er gefoltert. Dann floh er. Sprang ins Meer, ignorierte die Haie und sah nur das Schiff, das ihn weg aus der Heimat bringen sollte. Weg von seinem kubanischen koegefluesterLeben, in dem er in den 50er Jahren einst als Saxophonist des legendären „Buena Vista Social Clubs" in Havanna ein gefeierter Superstar war. Seit 30 Jahren lebt der heute 76-Jahrige im Exil - in Düsseldorf. Vergangenes Jahr machte sich Regisseur Frank Massholder daran, eine Dokumentation über ihn zu drehen. Doch während der Arbeit merkte er: De Dios' Lebensgeschichte gibt viel mehr Stoff her!
„Jetzt wird sein Leben verfilmt - in einem Spielfilm", freut sich Monika Bandera, Frau von de Dios und Buchautorin („Mambo Cha-Cha-Cha"). „Auf der Berlinale 2008 soll er präsentiert werden." Gespielt wird de Dios von Schauspieler Orlando Blanco aus Venezuela. Wer de Dios original erleben möchte: Heute begleitet er seine Frau in die Pfarrei Herz Jesu (RoBstraBe), wo sie einen Vortrag zum Thema „Kuba, wie es der Tourist nicht kennt" hält, ab 19 Uhr.

Nathalie Riahi
Antje Fasshauer
Tel: 021039 30

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                                    Juan de Dios und Monika Bandera bei Filmaufnahmen im Café Madrid

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(Brief von Reinaldo Escoba, kubanischer Journalist, Havanna)

Senor Juan Vinagera y Valle:

Para usted va a ser una sorpresa que una persona que no conoce le escriba una carta. Para colmo esa persona es un cubano que solo hace un mes salio de la isla.
Sucede que soy amigo del senor Guido en Koln, porque trabajo como periodista para la Deutsche Welle. Por ese camino he sabido que usted y su esposa viven en Dusseldorf y que de alguna forma estan interesados en recibir noticias frescas de alla. He leido tambien dos relatos de Monika Bandera, su esposa ("Manana la esperanza sera realidad" y "Cuba, la isla de los suenos perdidos", en los que, segun se ve, se cuentan realidades.
Me llamo Reinaldo Escobar y aunque naci en Camaguey hace ya 51 anos, vivo en la Habana desde que tenia 15. Como muchos otros jovenes crei en aquella revolucion (ya escribo esta palabra con r minuscula) que prometio "un futuro luminoso" para todo el pueblo. Como muchos otros participe en aquellas colosales manifestaciones en las que gritabamos consignas tan atroces como "!!Paredon!! .... Somos socialistas palante y palante y al que no le guste que tome purgante ..... Pin Pon fuera, abajo la gusanera...etc" Tambien, como muchos otros fui a muchisimos trabajos voluntarios para cortar cana o recoger café, con la ilusion que de esa forma podria apresurar aquel futuro promisorio en el que yo tambien estaba comprometido. Como muchos otros yo tambien desde muy joven me incorpore a "las tareas de la defensa de la patria" y un dia tuve la ocasion de entrar a la Universidad (gracias a mi magnifico expediente revolucionario) para estudiar la carrera de periodismo.
Pam ese momento ya yo tenia 20 anos y estabamos en 1967.
Mi primer tropiezo con el sistema fue precisamente cuando pude percatarme de que era imposible ejercer con honestidad la profesion de periodista. Pero me dije, lleno de inocencia, que quizas desde adentro podria hacer algo porque la prensa pudiera cumplir ese papel que yo imaginaba. Para "entrar" tuve que hacer muchisimas concesiones y al hacerlas, claro esta que me alejaba a diario de mi verdadero proposito.
!Pasaron tantas cosas decepcionantes! Pero mi fe revolucionaria de hombre idealista era solida y estaba convencido de que todo se le podia perdonar "al proceso" bien porque eran males necesarios, o contradicciones que solo se podrian resolver en la practica.
El segundo gran tropiezo ocurrio en 1970 cuando a "ese senor" se le ocurrio la idea de realizar la zafra mas grande de la historia de Cuba y producir 10 millones de toneladas de azucar. Al poco tiempo me di cuenta de que aquello em imposible, me di cuenta de que ellos lo sabhui y lo peor de todo que to seguian afirmando, como si lo creyeran posible. Ver ante mi hombres inteligentes y cultos repitiendo las mismas estupideces fue la cosa mas humillante que habia experimentado hasta ese momento.
Pero la historia me reservaba algo mucho peor y eso ocurrio en el ano 1980 cuando mas de 100 mil personas salieron en barcos de Cuba en solo 3 o 4 semanas. Aquellos "actos de repudio" (en los que me negue a participar), donde se asaltaban las casas de los que querian abandonar el pais y se golpeaba, se vejaba, se insultaba a todo el que pensaba hacerlo, fue realmente la primera cosa que nunca pude entender ni perdonar.
La caida final de mis ilusiones revolucionarias ocurrio a partir del fracaso en la Union Sovietica del experimento de Gorbachov de hacer un socialismo con rostro humano. Solo entonces, cuando fueron develadas las grandes verdades, ocultas por decadas de propaganda oficial, solo entonces me di cuenta de que toda aquella ideologia de la que me habia alimentado, de la que era portador y para colmo propagador em la peor enfermedad que ha padecido la humanidad.
Me dio tan fuerte ese golpe que me vi en la obligacion de hacerlo saber y entonces se me ocurrio la idea de escribir una serie de articulos explicandolo. Cuando los presente a la direccion del periodico fui expulsado del centro y excomulgado de la profesion. Ademas (!no podia faltar!) fui citado a las oficinas de la Seguridad del Estado y fui interrogado como si fuera "el mas perverso agente del imperialismo."
Después recorri varios trabajos. Fui mecanico de ascensores, bibliotecario, maestro de espanol, hasta que por esas cosas del destino tuve contacto con unos amigos alemanes y empece a colaborar con algunas publicaciones. Ahora se me define como un "periodista independiente" que es "la nueva peste" para el regimen. A muchos de nosotros (a los mas valientes) se les persigue ferozmente y hasta se les encarcela. Todavia me encuentro en una etapa de "disidencia de baja intensidad" y si no me atrevo a trigs es sencillamente por una Bola razon: Tengo miedo.
Como usted ve, Juan, las cosas son muy complicadas. Ahora estoy en Alemania pero me veo obligado a regresar a Cuba porque alli tengo a mi esposa y a dos hijos y usted sabe lo dificil que es hacerlos venir. Realmente me gustaria que hallaramos un momento en que pudieramos encontrarnos. Imagino que usted, con toda razon, tenga reservas para hacerlo y yo no tengo ninguna forma de convencerlo de que no soy un agente de Castro, como no sea apelar a su sensibilidad frente a mi honestidad.
En nombre de esa honestidad le hago esta carta, porque de alguna forma yo tambien fui responsable de su tragedia: La tragedia del que se ye obligado a emigrar de su tierra y ahora, para disculparme solo tengo mi mano vacia y desinteresada para estrecharla con la suya.
Un saludo afectuoso de:
Reinaldo Escoba

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Rheinbote 1.7.2007

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Frankfurter Rundschau vom 16.Juli 2007

Keine Luft für das Saxofon
tenor_saxophon
Der Kubaner Juan de Dios zählte zu den besten Musikern der Karibik.
Er war einer der Stars im Buena Vista Social Club.
Heute lebt er verarmt in Düsseldorf.
Von Ingrid Müller-Münch

Eine Straße ohne Gesicht. Hinter dem unscheinbaren 60er-Jahre-Haus erstreckt sich Düsseldorfs Prachtstraße, die Königsallee. An der Vorderfront des Hauses braust unablässig der Verkehr in Richtung Bahnhofsviertel vorbei, verursacht Lärm und Staub. Besucher lassen die Pferde-Wettannahme hinter sich, biegen in eine Toreinfahrt, steigen in den winzigen, schäbigen Aufzug. Sechs Etagen rumpelt er hoch. Endlich dann der Schritt in eine andere, verträumte, buntschillernde, wenn auch räumlich sehr beengte Welt.

Von den Wänden des kleinen Flurs lächelt ein attraktiver, dunkelhäutiger Mann, der stolz ein Saxofon in der Hand hält. Der ebenso stolz einige Männer umarmt, offenbar Musiker wie er. Unter den Fotos an die Wand gepinnt einige bunte Ikonendrucke. Davor ein kleiner Altar, "den mein Mann aufgebaut hat", lächelt Monika Bandera. "Er ist gläubiger Christ, kommt ja aus Kuba." Er wartet im Wohnzimmer, in einem durchgesessenen Lehnstuhl, umgeben von Nippes und Erinnerungsstücken. Juan de Dios, 76 Jahre alt, ein älterer Herr, der dem Gast freundlich entgegenlächelt. Ein schwacher Händedruck, und mit ein wenig Geschick findet sich Platz für alle.


Die Hände von Juan de Dios liegen kraftlos in seinem Schoß. Keine Spur von der früheren Energie, als sie die Klappen seines Saxofons zum Tanzen brachten, kubanische Rhythmen zauberten. Son, Mambo, Cha-Cha-Cha. Juan de Dios, in den 50er Jahren einer der führenden Saxofonisten der damaligen Musikszene Kubas, hat alles verloren; sitzt heute in einer Zwei-Zimmer-Wohnung in Düsseldorf, an der Schnittstelle zwischen Arm und Reich.

Mitte des vorigen Jahrhunderts begann die Karriere dieses Mannes und endete abrupt. Worüber heute kein Mensch mehr reden würde, wenn Juan de Dios nicht schon als Teenager mit seinem Saxofon in Ha- vannas Buena Vista Social Club aufgetreten wäre - seit 1999 durch Wim Wenders' Film über ehemalige Musiker des Son weltberühmt.


Einer der letzten seiner Art

Als dieser Film in die Kinos kam, sah auch Juan de Dios zum ersten Mal seit langem seine alten Kumpels wieder. Wenn auch nur auf der Leinwand. Vernarbte Wunden rissen auf, als er später dann, im Jahr 2002, Rubén Gonzáles bei der Europatournee des Ensembles Buena Vista Social Club hinter der Bühne der Düsseldorfer Tonhalle aufsuchte, Ibrahim Ferrer, den Sänger, umarmte. "Puh, ist Rubén alt geworden, so zerbrechlich", dachte er und merkte gar nicht, dass das auch auf ihn selbst zutraf. Kurz nur dauerte der Kontakt, ein kubanischer Funktionär unterband weitere Gespräche. Juan de Dios gilt noch immer als Regimegegner.

Inzwischen sind Gonzáles und Ferrer tot, gibt es kaum noch Son-Musiker aus jener Zeit. Juan de Dios ist einer der letzten. Jetzt soll ein Film über sein Leben gedreht werden, und noch einmal muss er das Vergangene heraufbeschwören.

Seine Karriere, um mit dem Ende zu beginnen, mündete in der Einsamkeit dieses bescheidenen Düsseldorfer 50-Quadratmeter-Apartments, das er seit über 20 Jahren mit seiner Frau teilt. Hier lebt er mit seinen Gespenstern und Alpträumen, kocht manchmal noch Reis mit Bohnen, so wie er es von seiner kubanischen Großmutter gelernt hat. Und freut und plagt sich mit Erinnerungen an Mambo, Cha-Cha-Cha, Son und kubanische Rhythmen. Sein geliebtes Saxofon liegt oben auf dem Flurschrank.

Nach mehreren Herzinfarkten kann Juan de Dios nur noch mit Mühe gehen, holt selten das Instrument vom Schrank. Schnell geht ihm die Luft aus. Er spricht kaum Deutsch, ist ganz auf die Übersetzung seiner Frau angewiesen. Obwohl er jahrelang in Düsseldorf als ungelernter Arbeiter in Fabriken malocht hat, ist er hier nie heimisch geworden, ist Kubaner geblieben durch und durch. Monika Bandera hat ein Buch über das Leben ihres Mannes geschrieben. Denn der Juan de Dios dort in dem Lehnstuhl war einst einer der gefragtesten Musiker der Karibik.

All das, was ihn mit den inzwischen verstorbenen Musikern des Buena Vista Social Clubs verbindet, datiert aus dem Kuba vor Fidel Castro. Einem Kuba unter Diktator Fulgencio Batista, dessen Geheimdienst die Armen und Aufwiegler folterte. Ein korruptes Regime, das für amerikanische Touristen Musik und Prostitution bot. In dem Mambo und Son ihren Aufschwung erlebten, vor allem in den "fast 2 000 Nachtclubs Havannas. Das Leben war voller Musik", übersetzt Monika Bandera die Erinnerungen ihres Mannes. "Das war das Paradies für Musiker. Für sie gab es immer Arbeit."


In Deutschland ist de Dios nie heimisch geworden

Schon mit 16 kam de Dios zu der damals in Kuba bekannten Musikband "Riverside", spielte Mambo, Bolero, Guaraja, Son und Cha-Cha-Cha. Unter anderem in Havanna. Und dort vornehmlich im Sozialclub des Stadtviertels Buena Vista. "Das war ein riesengroßer Club, der fasste bestimmt 3 000 Personen. Jeder war willkommen, ob arm oder reich. Und wenn in Havanna Musiker mal kein Geld hatten, hieß es immer: Geh' zum Buena Vista. Und dann gingen wir dahin, konnten eine Nacht durchspielen und Geld verdienen." Mit dem Erfolg kam das Angebot, in Mexiko zu spielen, in Guatemala, in Honduras. Das war Ende der 50er Jahre, kurz bevor Fidel Castro Anfang 1959 Batista stürzte. Damals hat Juan de Dios die Guerilleros kennen gelernt, die ihm letzten Endes sein Leben zerstören sollten.
Während der Spielpausen zwischen seinen Auftritten in einem Kabarett von Mexiko-City aß er oft in einem kubanischen Restaurant. Dort begegnete er drei Männern, "die wie Landstreicher aussahen, heruntergekommen, ohne einen Pfennig Geld". Es waren Fidel und Raoul Castro in Begleitung von Che Guevara. Man sah sich fortan häufiger. Eines Tages, so erinnert sich Juan de Dios, beglückwünschte ihn Fidel Castro zu seiner Musik und meinte: "Komm mit uns, wir suchen Söldner. Wir wollen Batista stürzen." Doch de Dios lehnte ab, er war Musiker und kein Soldat. Wenig später bat ihn Raoul Castro, "hast Du nicht einen Mantel für mich? Und dann hat mein Mann ihm einen Mantel von sich geschenkt", erzählt Monika Bandera. Für die kalten Nächte, in denen die Revolutionäre sich vor Batistas Truppen in den Bergen Kubas verstecken mussten.

Bald schon kursierte in Mexiko-City das Gerücht, ein spanischer Millionär habe den drei Revolutionären eine Yacht geschenkt. "Mit diesem Schiff und 115 Söldnern sind sie nach Kuba aufgebrochen, um Batista zu stürzen", erzählte man sich damals in den Kneipen von Mexiko-City. Und auch, dass "von den Söldnern nur zwölf übrig geblieben sind".

Die Berichte, die Juan de Dios in Mexiko über die Kämpfe in seiner Heimat erhielt, ließen ihm keine Ruhe. Ihn drängte es, seiner Familie zu helfen, damit sie ausreisen konnte. Seiner mexikanischen Verlobten, einer Bankierstochter, versprach er die baldige Rückkehr. Und schiffte sich ein.

Doch aus all seinen Plänen wurde nichts. Sein Vater lehnte seine Hilfe ab, meinte, "nein, wir bleiben hier. Der junge Mann, Fidel Castro, was kann der schon ausrichten." Als Juan de Dios daraufhin nach Mexiko zurückkehren wollte, war es zu spät. Im Morgengrauen des Tages, an dem er das Schiff im Hafen von Havanna besteigen wollte, herrschte Ausnahmezustand, eine vollkommene Reisesperre. Soldaten schnappten ihn. "Dabei konnte ich schon die Lichter des vor Anker liegenden Schiffes sehen." Er wurde zu einem Jeep geschleift, zur Polizei gebracht und wegen Landesflucht zu vier Jahren Gefängnis verurteilt, "ohne Prozess", wie er sagt.

Seine Jahre in kubanischen Gefängnissen haben ihn zerstört. Die Nacht, in der er - wie andere Konterrevolutionäre zuvor - hingerichtet werden sollte, hat seine Nerven zerrüttet. "Sie holten mich, banden mich an einen Pfahl, und zehn Soldaten standen vor mir mit geladenem Gewehr und warteten auf das Kommando." Als dies ausblieb, öffnete Juan de Dios vorsichtig seine bis dahin geschlossenen Augen und blickte in das Gesicht seines ehemaligen Freundes und damaligen Geheimpolizeioberen Hector Adama. Der ließ ihn losbinden, rettete sein Leben. Ein Leben, das er allerdings noch für Jahre in einem Arbeitslager verbringen sollte.

Als er endlich entlassen wurde, erging der Befehl, er solle als Soldat gleich am nächsten Tag nach Angola verschifft werden. "Er war krank, seelisch krank, er hatte so viel mitgemacht, er konnte einfach nicht mehr", erläutert seine Frau. Mit der Hilfe eines griechischen Matrosen, der sich seiner erbarmte und ihn gegen ein klägliches Entgelt als blinden Passagier auf seinem Schiff versteckte, konnte er entkommen. Hierzu musste er allerdings in das von Haien bevorzugte Hafenbecken Havannas springen und bis zum weit draußen vor Anker liegenden Rettungsboot schwimmen.


Castro wollte ihn als Soldat. Er lehnte ab

Die Flucht ist ihm gelungen. Doch mit ihr verlor er für immer Heimat und Musik. Seine Reise führte ihn nach Europa, zunächst nach Triest und dann nach Rom zum Vatikan, wo man ihm Asyl gewährte. Ein Jahr blieb er dort. "Man hat mich gut bewirtet und versorgt." Doch Juan wurde krank, erlitt einen Nervenzusammenbruch, "hat das alles nicht verkraftet".

Als es ihm besser ging, wollte er unbedingt wieder Musik machen. Wollte in ein Land, dessen Sprache er konnte. Ging zunächst nach Madrid, fand dort Anschluss an eine kubanische Band. Aber so richtig fasste er nicht mehr Fuß. Auch nicht in Barcelona, wo er es ebenfalls versuchte. Dort hielt er sich unter anderem durch kleine Rollen in Filmen mit Brigitte Bardot und Lino Ventura über Wasser, spielte Musik in Kabaretts, "aber groß davon leben konnte er nicht," schildert seine Frau.

In Barcelona traf er Monika Bandera. Schon sein Onkel hatte ihm prophezeit, er werde die Mexikanerin, mit der er damals verlobt war, nicht heiraten, sondern eine blonde Frau aus dem Norden. Und blond war Monika, die sprachgewandte Deutsche, strohblond.

Beide sind nun über 30 Jahre zusammen, gehen seither durch dick und dünn. Ihr Leben war geprägt von Heimatlosigkeit, Unrast, Armut und Sehnsucht. Aus Spanien kamen sie nach Düsseldorf, weil es in Barcelona vorne und hinten nicht reichte mit dem Geld. Sie arbeitete fortan als Chefsekretärin mit ihren Spanisch- und Englisch-Kenntnissen. Er jobbte als ungelernter Arbeiter in Fabriken, hatte es nicht leicht, ohne Deutsch zu sprechen, worum er sich auch nie bemühte. Seine einzige Verbindung zu anderen Menschen ist bis heute seine Frau.

Als vor Jahren eine deutsche Wirtschaftsdelegation nach Kuba flog, schrieb Monika Bandera ans Ministerium, schilderte das Schicksal ihres Mannes und bat, doch bei der Suche nach dessen Familie behilflich zu sein. All die Jahre gab es keinen Kontakt, wussten sie nicht, was aus Eltern und Geschwistern geworden war. "Innerhalb von 14 Tagen bekam ich von der deutschen Botschaft in Havanna tatsächlich einen Brief, dass die Familie meines Mannes gefunden sei."

Seither versuchen sie den Kontakt zu halten. Post kommt in Kuba nicht an, wird offenbar konfisziert. "Aber wir haben Mittelsmänner", sagt Monika Bandera, "und ein deutscher Missionar nimmt immer Briefe, Geld und Geschenke mit." Juans Schwester, so wissen die beiden inzwischen, hat fünf Kinder und 14 Enkelkinder, "die leben alle zusammen in einer kleinen Zwei-Zimmer-Wohnung."

Eine andere Schwester lebt in New York, mit der telefonieren sie hin und wieder. Und sollte sich ein Filmprojekt über das Leben von Juan de Dios realisieren lassen, dann wäre New York einer der Drehorte. Dann würden sie, so hat man es ihnen zumindest versprochen, mit dorthin reisen dürfen. Von ihrer mageren Rente können sie es sich jedenfalls nicht leisten. Und nach Kuba kann Juan de Dios sowieso nicht zurück. Dort käme er trotz seines deutschen Passes noch immer ins Gefängnis.

Heimweh nach Kuba hat Juan de Dios trotzdem, immer wieder. Daraus macht er auch gar keinen Hehl. Er wirkt geschwächt nach dem Gespräch.

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Ein letzter Blick auf die Bildchen im Flur, die Fotos des stolzen Mannes mit dem Saxofon. Nippes und Erinnerungsstücke. Relikte eines Lebens, das ganz anders hätte verlaufen können - wenn, ja wenn der Musiker Juan de Dios nicht zwischen die Räder der Politik geraten wäre.

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Hamburger Abendblatt
erschienen am 6. Dezember 2007

Schicksal

Juan de Dios Vinagera ist einer der letzten lebenden Musiker, die in dem legendären Musikklub gespielt haben

juan1dez2007


Heimweh nach Kuba - und dem Buena Vista Social Club
1968 floh der Mann, der Fidel Castro persönlich kannte, vor dem Regime in Havanna. Heute lebt er in Düsseldorf. Er hat einen großen Wunsch: Einmal noch die Heimat sehen.
Von Barbara Möller


Düsseldorf.
Ein alter Herr sitzt in einer winzigen, mit Fotos und Nippes vollgestopften Wohnung unweit der Königsallee in Düsseldorf. Er ist elegant gekleidet - Sakko, Weste, Seidenkrawatte, messerscharfe Bügelfalten, auf Hochglanz polierte Schuhe. Nur das Herz macht nicht mehr richtig mit. Das Luftholen fällt ihm schwer.

Havanna. Auch dort sitzt ein alter Mann. Er blickt desorientiert in eine Fernsehkamera. Man hat ihm einen bunten Trainingsanzug der Firma Adidas angezogen. Über der linken Brust ist in Großbuchstaben sein Name eingestickt: "Castro".

7983 Flugkilometer liegen heute zwischen dem Exil-Kubaner Juan de Dios Vinagera und dem Máximo Lider Fidel Castro, der immer seltener vorgezeigt wird. Von Demenz ist die Rede. Vor so einem muss sich eigentlich keiner mehr fürchten, aber der Apparat des Diktators funktioniert noch. Wer "in klarem Widerspruch zu den Normen der sozialistischen Moral" lebt, muss auf Kuba mit vier Jahren Gefängnis rechnen, und wer es an "Respekt" vor Castro persönlich mangeln lässt, verschwindet schnell mal für sechs Jahre hinter Gittern.

Juan de Dios Vinagera ist Fidel Castro in seinem Leben zweimal begegnet. Das erste Mal 1956 in Mexiko-Stadt. Damals war Vinagera 25 Jahre alt und bereits ein bekannter und erfolgreicher Musiker. Als Saxofonist hatte er in Havanna zur legendären Riverside-Truppe gehört, die regelmäßig im Buena Vista Social Club spielte, dort hatte er mit Perez Prado, Beny More und Celia Cruz Musik gemacht. Jetzt war er mit Heriberto Pino in Mittel- und Südamerika auf Tournee. Und wie immer, wenn sie in Mexiko-Stadt gastierten, war Vinagera zum Abendessen ins kubanische Restaurant Saura im Distrito Federal gegangen.

An diesem Abend fielen ihm drei abgerissene Landsleute am Nebentisch auf, die hitzig über die Amerikaner redeten, die Havannas Spielhöllen und Bordelle an den Wochenenden überfluteten. Irgendwann stand einer der drei Männer auf und kam zu Vinagera herüber. "Wir haben dich spielen hören", meinte er. "Du bist ein großartiger Musiker, aber jetzt wäre es besser, du würdest dich uns anschließen: Wir werden Batista beseitigen." Es war Fidel Castro, der seine Begleiter als seinen Bruder Raul und seinen Freund Ernesto Che Guevara vorstellte.

,Was für Spinner!', hat sich Vinagera damals gedacht und die Sache schnell wieder vergessen. Bis er Ende 1958 - Vinagera hatte in Mexiko ein Mädchen kennengelernt und wollte heiraten - begreifen musste, dass die Revolution in Kuba tatsächlich stattfand. Nachrichten von chaotischen Zuständen drangen nach Mexiko-Stadt. Davon, dass Castro und seine Leute blutige Jagd auf "Konterrevolutionäre" machten, war die Rede. Dass sie bereits alle Musikklubs geschlossen hatten.

Krank vor Sorge beschloss der Musiker, nach Kuba zu fahren, um nach seiner Familie zu sehen. Als er zu Hause ankam, war Fulgencio Batista, der sich 1952 an die Macht geputscht hatte, bereits gestürzt, und Fidel Castro ließ sich als Befreier feiern.

Die Eltern drängten den Sohn, das Land schnell wieder zu verlassen. Im Hafen von Havanna lag das letzte Schiff zum Auslaufen bereit, aber über die Stadt war bereits eine Ausgangssperre verhängt. Im Hafen wurde der 28-Jährige wegen "illegaler Landesflucht" verhaftet.

Dass Kubas berühmtester Sänger - "El Barbaro del Ritmo" Beny More - von Castros Schergen am Strand niedergeknüppelt worden war, wusste er zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Man brachte Vinagera in die Festung von Havanna, das bereits völlig überfüllte Castillo del Morro. Dort begannen die Erschießungen. Und dort sah Vinagera die drei Männer aus Mexiko-Stadt wieder: die Castro-Brüder und ihren Freund Che Guevara, denen es offenbar gefiel, den "Konterrevolutionären" beim Sterben zuzusehen.

Dank des Eingreifens eines alten Freundes, der unter Castro zum Chef der Geheimpolizei aufgestiegen war, wurde Vinagera in ein Arbeitslager im Südwesten der Insel verlegt, wo politische Gefangene Zuckerrohr und Tabak schnitten. Als er 1968 entlassen wurde, teilte man ihm mit, er könne die Läuterung seines Charakters gleich als kommunistischer Freiheitskämpfer in Angola fortsetzen. Das Schiff laufe in wenigen Stunden aus . . .

Der Rest ist schnell erzählt. In seiner Panik ist Juan de Dios Vinagera damals einfach ins Hafenbecken von Havanna gesprungen und hat sich von einem griechischen Frachter auffischen lassen. In Europa gewährte ihm der Vatikan Asyl, anschließend ging Vinagera über Madrid nach Barcelona. Der Sprache wegen. Tagsüber arbeitete er im Hafen, abends machte er mit ein paar anderen Exil-Kubanern im Klub La Paloma Musik. Ab und an übernahm er in Kinofilmen kleine Statistenrollen. Unter anderem in Robert Enricos "Boulevard du Rhum" (mit Brigitte Bardot und Lino Ventura), in Stuart Rosenbergs "Reise der Verdammten" (mit Oskar Werner und Maria Schell).

"Davon und von den Auftritten im La Paloma", sagt Vinageras Ehefrau Monika Bandera heute, "konnte er allerdings nicht leben." Sie hat ihren Mann kennengelernt, als er sich gerade entschlossen hatte, nach Costa Rica zu fliegen. Das war Ende 1978. Die beiden sind dann nach Düsseldorf gegangen, weil ihre Familie dort lebte. Und in Düsseldorf sind sie hängen geblieben. Sie als Fremdsprachensekretärin, er als Eisensäger. Dann kam der erste Herzinfarkt. Und dann kam 1999 der Film von Wim Wenders: "Buena Vista Social Club". . .

Als Juan de Dios Vinagera in diesem Film alte Weggefährten wie Ibrahim Ferrer, Pio Leyva, Ruben Gonzalez und Compay Segundo nach fünfzig Jahren wiedersah, kam er aus dem Staunen kaum heraus. Erstens, weil es die alten Compadres überhaupt noch gab, und zweitens, weil sie ihren ebenso plötzlichen wie späten Ruhm ganz offensichtlich einem Zufall verdankten. Dem Zufall, Wim Wenders begegnet zu sein. Beziehungsweise dem amerikanischen Musikproduzenten Ry Cooder, der ein paar Aufnahmen mit ihnen gemacht und diese Aufnahmen Wim Wenders vorgespielt hatte. Der Gitarrist Compay Segundo ist im Juli 2003 im Alter von 95 Jahren gestorben. Sechs Monate später erlag der Pianist Ruben Gonzalez, Jahrgang 1919, den Folgen seiner schweren Arthrose, Und vor zwei Jahren beerdigte man in Havanna den 78 Jahre alten Son-Sänger Ibrahim Ferrer.

Nur seinen alten Freund Pio Leyva hat Juan de Dios Vinagera noch einmal leibhaftig wiedergesehen: im Februar 2001, als der inzwischen 93-jährige Leyva in der Düsseldorfer Tonhalle gastierte. Da sind sich die beiden Freunde hinter der Bühne in die Arme gefallen.

Jetzt ist Juan de Dios Vinagera einer der letzten lebenden Musiker, der noch im legendären Buena Vista Social Club gespielt hat. Ein Musiker, der zum Musikmachen keine Kraft mehr hat, ein Exilant, der sich vor den Peinigern von damals fürchtet, ein alter Mann, dem Heimweh das kaputte Herz abschnürt.

Jahrzehnte lang hat der inzwischen 76-Jährige nach seiner Schwester Gregoria Carolina gesucht. Dass sie noch auf Kuba lebt, weiß er erst, seit die deutsche Botschaft die Familie 2001 endlich ausfindig machen konnte. Dass einer der Neffen zu Fidel Castros Vertrauten gehört, macht die Situation für alle Beteiligten nicht einfacher. Die Einreise nach Havanna ist nach Auffassung des Botschafters kein Problem, schließlich sei Vinagera nach kubanischen Recht noch immer kubanischer Staatsbürger. Für die Ausreise, heißt es, sehe man allerdings ein "Restrisiko".

Monika Bandera und Juan de Dios Vinagera wünschen sich verständlicherweise eine Garantie. Die sie nicht bekommen werden. Stattdessen gibt es vermutlich demnächst etwas viel Besseres: eine Eskorte. Carsten Fiebeler ("Neuruppin Forever") will auf Kuba einen Dokumentarfilm über Vinagera drehen. Parallel dazu trifft die Berengar Pfahl Film Produktion Vorbereitungen für einen Kinofilm.

juan2dez2007


Es könnte also sein, dass Juan de Dios Vinagera doch noch einmal groß herauskommt -
einer der letzten, vielleicht der letzte noch lebende Musiker des Buena Vista Social Clubs.

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