

Rheinbote
Kuba
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Das Leben von Musiker Juan de Dios als Film
Juan de Dios wurde am 08. März 1931 in Los Palacios, Provincia de Pinar del Rio geboren.
Dort wuchs er auf der Farm seiner Großmutter auf. Die Eltern und Geschwister lebten in Havanna.
Das Lernen fiel ihm leicht und er entdeckte die Liebe zur Musik. Allabendlich besuchte er die Musikschule um das Saxophon zu beherrschen. Er wurde sehr erfolgreich und spielte mit den Stars u. a.
im Buena Vista Social Club in Havanna, ging auf Tournee durch die Hauptstädte von Mexiko, Guatemala und Honduras und begleitete Perez Prado, den „King des Mambo".
Nach einem Konzert in einem Restaurant in Mexiko-Stadt traf er die drei Männer die sein Leben
grundlegend verändern würden. Die Brüder Castro und Che Guevara bereiteten sich für die Revolution
auf Kuba vor und suchten dafür Kämpfer. Juan de Dios lachte sie an und antwortete: „ich bin Musiker, kein Soldat". Später schenkte Juan seinen Mantel an Raul Castro, aus Mitleid. „In den Bergen Kubas, der Sierra Maestra, würde es sehr kalt werden."
Als er die Gebrüder Castro und Che Guevara wieder sah, war er schon seit mehreren Jahren ihr Gefangener.
Er war nach Kuba zurückgekehrt um seiner Familie zu helfen, wurde kurz vor seiner Abreise verhaftet und
ohne Prozess ins Gefängnis geworfen. Nachdem ihn sein Freund vor der Erschiessung erkannte und ihn
in ein Straflager verlegen liess, gelang ihm später die Flucht. Er schwamm um sein Leben zwei Kilometer zu einem griechischen Frachter, dessen Besatzung ihn aufnahm. Im Vatikan erhielt er Asyl. Er hatte alles zurücklassen müssen. Seine Heimat, Familie und Angehörige sah er nie wieder.
Er wohnt heute in Düsseldorf mit seiner deutschen Frau, der Schriftstellerin Monika Bandera.
Sie hat diese spannende und absolut fesselnde Biografie Ihres Mannes geschrieben. In dem Buch sind viele Illustrationen, Briefe und auch Zeitungsartikel, die diese wahre Begebenheit begleiten und lebhafter darstellen.
Juan de Dios ist heute einer der letzten lebenden Musiker, der noch im legendären Buena Vista Social Club in Havanna gespielt hat. Nach dem Film von Wim Wenders wurden diese Musiker weltberühmt.
Heute interessieren sich mehrere Filmgesellschaften für die Biografie von Juan de Dios und ein Dokumentarfilm ist in Vorbereitung.

Sogar das Drehbuch für einen Kinofilm ist fertig und die Dreharbeiten sollten bald beginnen.
Das Buch “Mambo Cha-Cha-Cha”
erschienen im ART FOR ALL Verlag, Ratingen
ISBN 978-3-937 477 14-5 Zum Seitenanfang
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www.igfm.de |

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Mit der freundlichen Genehmigung vom PORTRAIT Juan de Dios: ein Leben wie ein politischer Schicksalsroman, Der Musiker, der Castro einen Korb gab Die erschütternde Lebensgeschichte von Juan de Dios |
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Ein wirkliches Wiedersehen, selbst nach 40 Jahren, sollte nicht sein. Als das durch den Film zu Weltruhm gelangte Buena-Vista-Ensemble 2002 in der Düsseldorfer Tonhalle auftrat, wartete dessen alter Mitstreiter, Juan de Dios, ungeduldig hinter der Bühne. Schon in den 1950er Jahren hatten die inzwischen hochbetagten afrokubanischen Musiker Mambo, Trova und Sòn mit den typischen Wechselgesängen und Riffs in der gesamten Karibik gespielt. Die einen mussten Castros Revolution zu Diensten sein, Juan, der andere, durchlitt eine Odyssee aus Gefängnis, Folter,
er bekam für den Buena Vista Social Club im Jahr 2000 den Musikpreis Grammy. Seit 30 Jahren wohnt Juan de Dios ganz nahe der Königsallee, die kleine Wohnung gleicht einem Museum aus afro-kubanischer Erinnerung, Musik und noch mehr Musik. Drei Herzinfarkte, die Narben auf dem geschlagenen Rücken, der tiefe Fall, alles lastet heute auf ihm. Monika Bandera, seine deutsche Frau, spricht und schreibt für ihn. Zwei Bücher hat sie verfasst. Nichts musste aufgebauscht werden.
Das Leben ihres Juan schlägt jedes Drehbuch. Der talentierte junge Mann, dessen Großmutter noch Sklavin in Pinar del Rio war, schaffte die Aufnahme in Havannas beste staatliche und kostenlose Musikschule. Aus Louisiana und New Orleans kamen die neuen Jazzstile, aus Miami und Las Vegas die Mafia. »Während der Batista- Zeit existieren allein in Havanna 2000 Nachtclubs«, erzählt Juan aus den wilden Tagen Kubas, bevor die Revolution den Sündenpfuhl aus US-Unterweltgrößen wie Meyer Lansky, Korruption und Prostitution trockenlegte. Der folgende sozialistische Großversuch und karibische Hunger-Knast geriet bekanntermaßen nicht besser. Als Juan 1956 in Mexico-City mit seiner Band »Riverside« tourte, war er bereits Millionär und traf auf drei Männer, die sein Schicksal bestimmen sollten. Ernesto Che Guevara, Raùl und Fidel Castro suchten dort Mitkämpfer und Geld für Waffenkäufe. Der wohlhabende Musiker überließ Raùl seinen Mantel und erklärte, er sei Künstler und nicht Soldat. Noch im selben Jahr stachen die drei Revolutionäre mit der Motoryacht »Granma« in See. Auf dem Festland bahnte sich unterdessen eine Traumhochzeit zwischen dem längst berühmten Saxophonisten Juan de Dios und der mexikanischen Bankierstochter Olivia an. Wegen des blutigen Umsturzes zum Jahreswechsel 1958/59 wollte Juan vorher noch einmal nach Hause zurück, um seiner Familie zu helfen und Lieblingsonkel Diaz ein Haus zu kaufen. Allerdings: Wer gegen die Ideen Castros aufbegehrte, konnte auf der Stelle erschlagen oder erschossen werden. »Eine große Unruhe überfiel mich. Ich hatte die ganze Angelegenheit zu sehr auf die leichte Schulter genommen «, weiß Juan heute. »Musik und Politik waren nun einmal grundverschieden.« Zurück daheim auf Kuba, zog sich alles dahin. Schließlich aber waren die Geschäfte erledigt und Juan ergatterte ein Ticket für das allerletzte Schiff nach Mexico. Nicht bedacht hatte er Ausgangssperre und Revolutionssoldaten im Hafen. In Sichtweite der Kais wurde der hoffnungsfrohe Bräutigam aufgegriffen, in einen Jeep geschleift und ohne Prozess zu Zwangsarbeit verurteilt. Begründung: »illegale Landesflucht«. »Ich wurde täglich gefoltert und geschlagen«, berichtet Juan und spricht nur noch von den »Asesines« (Mörder), wenn er Castro & Co. meint. Nach Dunkelhaft und Qualen landete er 1964 in der Festung »Castillo del Morro« an Havannas Hafeneinfahrt. Wer dort hinkam, wartete nur noch auf seine Hinrichtung. »Als ich in dieser Nacht die schweren, lauten Schritte der Soldaten auf der Treppe hörte, wusste ich genau, dieses mal kamen sie wegen mir«, notierte de Dios später. »Ich fragte mich wie so oft: Warum? Nur weil ich weiter Musik machen wollte, auch an Orten, die dem System nicht genehm waren? Nur weil mir Musik mehr bedeutete als politische Ideologien?« Das zehnköpfige Erschießungskommando schon vor Augen, erkannte ihn Hektor Adama, Chef der Geheimpolizei und Bekannter aus besseren Tagen. Es folgten vier Jahre Arbeitslager, bis Juan endlich die Freiheit bekam, mit der Auflage, schon zwei Tage später für sein Land in Angola kämpfen zu sollen. Zehn Jahre in Unfreiheit lehrten ihn das einzig Richtige: Flucht. Mit viel Geld ließ sich ein griechischer Matrose zur Hilfe überreden: Nur zum Schiff draußen vor dem Hafen musste Juan noch selbst schwimmen, ein lebensgefährliches Unterfangen, das er mit dem Mut des Verzweifelten meisterte. Über den Iran, den Vatikan und Barcelona führt sein Weg nach Düsseldorf, wo er ein stilles Leben führt, ohne Auftritte und politische Ambitionen. Erst als der Buena Vista Social Club in die Stadt kam, war die Vergangenheit wieder voll da. Leibhaftig, ganz nah – und doch so fern. Der schwer herzkranke Juan de Dios weiß, dass er sich nicht aufregen darf, und dass die Begegnung in der Tonhalle 2002 sehr wahrscheinlich sein letzter Kontakt mit dem trotz allem geliebten Kuba bleiben wird. Reinhard Brockmann |
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»Buena Vista Social Club« |
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(BVSC) ist die Sammelbezeichnung |
dem Sänger Ibrahim Ferrer |
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Monika Bandera hat die Geschichte ihres Mannes Juan de Dios in “Mambo Cha Cha Cha “
Buena Vista, 2. Teil: Buena Vista geht in die zweite Runde |
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Musik, Leidenschaft und Leiden: Als junger Mann war Juan de Dios ein begabter Musiker, der mit seinem Saxophon Son, Mambo und mehr 1956 kochte die Stimmung in den kubanischen Tanzlokalen. Das war die Hoch-Zeit des Buena Vista Social Clubs, Musiker wie Ibrahim Ferrer, Compay Segundo und Ruben Gozales begeisterten das Publikum. |
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NORDWEST ZEITUNG vom 12.Juli 2010 “Ich habe Castro zum Essen eingeladen”
Wollen aufrütteln: Monika Bandera mit ihrem Mann Juan de Dios
Ein Martyrium schließt sich an. Der Musiker, der niemals politisch tätig war, erlebt Folter, Erschießungen von Mitgefangenen, Einzelhaft, Zellen, bei denen jede Beschreibung versagt. Das Unfassbare: Juan de Dios kannte sogar Fidel Castro aus einer Begegnung von 1956 in einem Restaurant von Mexiko City. "Nach den Auftritten habe ich dort gegessen und Fidel Castro, seinen Bruder Raúl und Che Guevara kennengelernt", schilderte der Exil-Kubaner im Berliner "Stacheldraht", der Zeitschrift, die die Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft herausgibt. "Sie hatten überhaupt kein Geld, waren ziemlich am Ende. Es hat sie immer mal jemand zum Essen eingeladen, ich auch", erzählt Juan de Dios. Später habe Fidel Castro ihn im Gefängnis gesehen, erkannt - und nicht reagiert. Nach seiner Haft, einer abenteuerlichen Flucht 1968 per Schiff via Genua, Vatikan, und Spanien landet der Saxofonist in Deutschland. Doch die musikalischen Erfolge bleiben aus. Monika Bandera betreibt jetzt anhand des Schicksal ihres Mannes ("Einer der letzten Zeitzeugen") Aufklärungsarbeit über die Entwicklung einer Revolution hin zu einer brutalen Diktatur auf Kuba. 36 Jahre lang verhinderte das Regime beispielsweise jeden Kontakt zur Familie. Erst Ex-Wirtschaftsminister Müller brachte von einem Kuba-Besuch die Adresse der Schwester mit. Juan de Dios teilt sein Leid mit einer Million weiterer Kubaner weltweit. Zehn Prozent der Bevölkerung haben die Karibik-Insel seit der Revolution 1959 verlassen. 800000 von ihnen leben allein im US Staat Florida. Die Stadt Miami ist zur zweitgrößten kubanischen Stadt der Welt geworden. Aber auch in New Jersey, Los Angeles und in Puerto Rico (50 00) strandeten viele oder eben auch in Spanien und Deutschland. Die meisten hegten in den 60er Jahren noch die Hoffnung auf eine rasche Rückkehr in die Heimat. Vergeblich. Man arrangiert sich mittlerweile, schickt - wann immer es geht - Geld den Verwandten auf Kuba. In Miami existieren inzwischen rund 42000 Unternehmen in exil-kubanischem Besitz. Die meisten würden bleiben, selbst wenn die Castro-Brüder das Heft aus der Hand gäben. KEINE BESSERUNG In Kuba ist die Zahl der politischen Gefangenen nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten unverändert hoch. Geändert hat sich seit der Revolution von 1959 wenig. Seit Jahresbeginn sank die Zahl der inhaftierten Dissidenten von 201 auf 167, sagte der Vorsitzende der Kubanischen Kommission für Menschenrechte und nationale Versöhnung, Elizardo Sanchez. Die Entwicklung bedeute jedoch keinesfalls, dass sich die Lage der Menschenrechte in Kuba verbessert habe, fügte Mehr Infos unter |
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Das Interview mit “der stacheldraht” (Februar 2010) „Ich bin Musiker und kein Soldat“ Ein Gespräch mit dem Exil-Kubaner Juan de Dios
Juan de Dios: geboren am 8.3.1931 in Los Palacios/Provinz Pinar del Río, Kuba; tritt bereits mit 16 Jahren als Saxophonist mit der bekannten Musikband „Riverside“ auf; spielt im berühmten Buena Vista Social Club, wird in den 50er Jahren zum Star-Musiker des karibischen Raums; zahlreiche Tourneen mit großen Interpreten afro-kubanischer Musik; Verlobung mit mexikanischer Bankierstochter, die sich das Leben nimmt, nachdem er 1964 in Kuba bei Ausreiseversuch verhaftet wird; Gefängnis und Zwangsarbeitslager; 1968 Flucht nach Europa, über Italien nach Spanien; kleine Filmrollen, kann nicht mehr an musikalische Erfolge in der Karibik anknüpfen; heiratet Monika Bandera, gemeinsame Übersiedlung in ihre Heimatstadt Düsseldorf; Fabrikjobs, mehrere Herzinfarkte; 2001 nach 36 Jahren erster Kontakt zu seiner Schwester in Kuba; Biographie „Mambo Cha-Cha-Cha“ im Art for All Verlag von Monika Bandera
stacheldraht: Sie sind auf einer Farm in Los Palacios bei Ihrer Großmutter aufgewachsen. Hat sie auch schon Musik gemacht? de Dios: Nein, und auch mein Vater nicht. Er war Vorarbeiter auf einer Zuckerrohrplantage. In meiner Familie hat niemand Musik gemacht. stacheldraht: Wie sind Sie dann zur Musik gekommen? de Dios: Ganz Kuba war damals Musik. Das hat mir Freude gemacht, und ich wollte es lernen. stacheldraht: Wie sind Sie ausgebildet worden? de Dios: Erst habe ich in Los Palacios Saxophon-Unterricht genommen, später in Havanna. Dort mußte ich eine Prüfung ablegen und konnte dann auf eine der großen Musikschulen gehen. stacheldraht: Es war die Zeit der Batista-Regierung. Ihre Familie gehörte nicht zu den Vermögenden. Wie konnten Sie sich das leisten? de Dios: Ach, da sind Sie ganz falsch informiert. Unter Batista konnte jeder, der genügend Musiktalent hat, eine Ausbildung machen. Ich habe ein Stipendium für zwei Jahre bekommen, das wurde alles bezahlt. Krankenhäuser und Ärzte waren damals ja auch kostenlos, für Arme und Reiche. stacheldraht: Wie kamen sie zu Ihrem ersten Instrument? de Dios: Ich hatte Heriberto Pino kennengelernt, einen großen Orchesterleiter. Der schenkte mir ein Saxophon, damit ich es spielen lerne. stacheldraht: Als gefeierter Musiker der Karibik war Ihr Leben in den 50er Jahren vor allem von Musik bestimmt. Haben Sie dennoch etwas von den politischen Spannungen in Kuba nach dem gescheiterten Putsch Fidel Castros 1953 wahrgenommen? de Dios: Politik hat mich nie interessiert. Am Rande habe ich das mitbekommen, aber es gehörte nicht zu meinem Leben. Ich hatte eine andere Einstellung. Politik war nicht meine Sache. stacheldraht: Während einer Tournee durch lateinamerikanische Hauptstädte hatten Sie 1956 in Mexiko eine zufällige, aber folgenschwere Begegnung mit drei Männern, die sich anschickten, Geschichte zu schreiben. de Dios: Das war in Mexiko-City, im Restaurant „Saura“, wo sich viele Kubaner aufhielten. Nach den Auftritten habe ich dort gegessen und Fidel Castro, seinen Bruder Raúl und Che Guevara kennengelernt. stacheldraht: Wußten Sie, wer diese Männer sind? de Dios: Zuerst nicht. Die lungerten da nur rum. Sahen ein bißchen aus wie Penner und hatten überhaupt kein Geld, waren ziemlich am Ende. Es hat sie immer mal jemand zum Essen eingeladen, ich auch. stacheldraht: Haben Sie damals geahnt, wie politisch gefährlich sie waren? de Dios: Ich war befreundet mit einem Kubaner, den ich in Mexiko-City kennengelernt hatte. Er hieß Hector Adama und saß manchmal mit den dreien zusammen. Als ich ihn fragte, was das eigentlich für Leute wären, sagte er, sie hätten so politische Ideen und wollten Batista stürzen. Das hat mir schon nicht gefallen. Die drei schienen nicht ungefährlich. Sie suchten auch Kämpfer für ihren Umsturz. Einmal sagte Fidel Castro zu mir, ich solle die Musik aufgeben und mit ihnen kommen. Da habe ich geantwortet: „Ich bin Musiker und kein Soldat.“ stacheldraht: 1959 kam Fidel Castro an die Macht und ging rücksichtslos gegen seine Gegner vor. Warum reisten Sie 1964 wieder nach Kuba ein? de Dios: Ich wußte von den Unruhen und wollte meiner Familie helfen, das Land zu verlassen. Aber mein Vater wollte bleiben. Ich versuchte dann, nach Mexiko zurückzukehren, mit dem letzten Schiff, das noch ausreisen durfte. Ich ging zum Hafen und sah schon die Lichter des Schiffes, als eine Horde Soldaten kam und mich in einem Jeep wegbrachte. Ich erhielt ohne Prozeß vier Jahre Gefängnis wegen „Landesflucht“. stacheldraht: Sie waren ein prominenter Kubaner. Vermuten Sie, daß Fidel Castro von Ihrer Inhaftierung wußte? de Dios: Ich bin mir nicht sicher. Aber später hat er mich im Gefängnis gesehen. Er, sein Bruder Raúl und Che Guevara kamen manchmal in die Gefängnisse, in denen Hinrichtungen stattfanden. Da ist er mir einmal begegnet und hat mich auch erkannt. stacheldraht: Wurden Sie nach Ihrer Festnahme verhört, oder hat man Sie einfach nur weggesperrt? de Dios: Die haben alles Mögliche gefragt. Ob ich politisch tätig war. Aber ich war ja nur Musiker und habe mich für Politik nicht interessiert. Später haben sie mich dann weggesperrt. stacheldraht: Wurden Sie isoliert oder waren Sie mit anderen Häftlingen zusammen? de Dios: Zuerst war ich in Einzelhaft, ohne Licht, ohne Wasser. Die Toilette war ein Loch, aus dem das Ungeziefer kroch. Dann kam ich nach Castillo del Príncipe in Havanna, später auch ins Gefängnis auf der Isla de Pinos. Dort war ich zusammen mit vielen anderen Gefangenen auf einem großen Saal. stacheldraht: Wie waren die Lebensverhältnisse dort? de Dios: Es war schlimm. Viele Männer haben sich umgebracht. Haben sich die Pulsadern geöffnet mit Glasstücken... stacheldraht: War es in dieser Zeit normal in Kuba, für einen Fluchtversuch vier Jahre im Gefängnis zu sitzen? de Dios: Dafür wurden die Leute sogar auf der Straße erschlagen, auf offener Straße. Wer sich gegen Castro auflehnte, wurde ermordet. Ich hatte einen sehr guten Freund, Benny Moré. Er war einer der bekanntesten Sänger Kubas. 1963 wollte er mit seiner Motorjacht fliehen. Bevor er einsteigen konnte, kamen Castros Soldaten und haben ihn erschlagen. Freunde von mir haben das gesehen. Er wurde noch in ein Krankenhaus gebracht, wo er starb. Benny Moré wird heute als großer Musiker verehrt in Kuba. Aber alle sagen, er ist im Krankenhaus gestorben.* Niemand spricht darüber, daß er erschlagen wurde. stacheldraht: Der Absturz vom Star-Musiker zum politischen Häftling, der auch gefoltert wurde, muß besonders hart gewesen sein. Haben Sie in dieser Zeit begonnen, über die politischen Ursachen nachzudenken? de Dios: Nicht viel. Ich hatte nie gedacht, daß mir das passieren würde. Niemand hat das gedacht. Ich wollte ins normale Leben zurück, wollte wieder Musik machen. Das war mein Leben, nicht die Politik. stacheldraht: Politik war nicht Ihre Sache, aber Sie waren zur Sache der Politik geworden. Nach zwei Jahren brachte man Sie schließlich in das Gefängnis Castillo del Morro, berüchtigt als die letzte Station vor der Hinrichtung. Weshalb wollte man Sie plötzlich hinrichten? de Dios: Es wurde nicht gefragt, wer und warum. Das war eine Säuberung. Castro-Gegner wurden umgebracht. Nachts kamen die Soldaten und holten die Gefangenen. Immer ein, zwei Gefangene wurden weggeschleift. Und dann schrieen die Männer. Sie wurden im Hof an einen Pfahl gebunden und erschossen. Sie schrieen, bis sie erschossen wurden. Das war jede Nacht so, ohne Erklärung. Alle waren schweißgebadet vor Angst, wenn sie die Schritte der Soldaten hörten. Dann kam ich an die Reihe. Ich habe gedacht, wenn ich also hier sterben soll, kann ich nichts machen. Ich habe mit dem Leben abgeschlossen. Dann haben sie mich an den Pfahl gebunden. Zehn Soldaten mit geladenen Gewehren standen vor mir. Ich habe die Augen zugemacht und gebetet. stacheldraht: Aber Sie leben noch. de Dios: Es fiel kein Schuß. Ich machte die Augen wieder auf und sah das Gesicht von Hector Adama, meinem Freund aus Mexiko. Er war inzwischen nach Kuba gekommen und dort zum Chef der Geheimpolizei aufgestiegen. In letzter Minute hatte er mich erkannt. Ich wurde losgebunden und sofort auf einem Lastwagen in das Zwangsarbeitslager Guane der Provinz Pinar del Río gebracht. stacheldraht: Adama war zum Vollstrecker des Systems geworden. Empfinden Sie ihm gegenüber heute trotz allem anders als gegenüber Castro? de Dios: Ich hatte ihn in Mexiko als fröhlichen, liebenswerten Menschen kennengelernt. Nicht als einen, der Vergnügen daran hat, Menschen zu ermorden. Ich war überrascht, daß er das fertigbrachte. Aber ich bin ihm dankbar. stacheldraht: 1968 wurden Sie aus dem Lager entlassen mit der Auflage, sofort als Soldat der kubanischen Armee nach Afrika in den Kampf zu ziehen. Wie gelang Ihnen die Flucht? de Dios: In einem Hafenvorort lernte ich einen griechischen Matrosen kennen. Er versprach mir, mich mitzunehmen für etwas Geld. Wir haben eine Zeit vereinbart, zu der ich an Bord des Schiffes kommen sollte, das weit draußen vor Anker lag. Dann bin ich hingeschwommen, ungefähr einen Kilometer. Das Schiff hieß „I hope“. Der Kapitän des Schiffes hat mich später entdeckt und verlangt, daß ich die Fahrt abarbeite. In Genua bin ich an Land gegangen und habe dann im Vatikan Asyl beantragt und bekommen. Zwei Jahre war ich in Einrichtungen des Vatikans untergebracht. Ich bin dort sehr gut behandelt worden. stacheldraht: Als Sie endlich wieder in Freiheit waren, was für ein Mensch war da aus Ihnen geworden? de Dios: Ich war schwer krank und zweimal in Italien im Krankenhaus. stacheldraht: Waren Sie nach Ihren Erlebnissen verändert? de Dios: Nachdenklicher. Aber auch dankbar, daß ich das Glück hatte rauszukommen. stacheldraht: Wie beurteilen Sie aus der Entfernung das Castro-Regime? de Dios: Es ist das schlechteste, das es gibt auf der Welt. Und der Hunger und die Misere auf Kuba werden nicht gezeigt. Das wird immer versteckt. stacheldraht: Haben Sie Rachegedanken? de Dios: Nein. stacheldraht: Sehen Sie in der Übernahme der Macht durch Raúl Castro einen Fortschritt für Kuba? de Dios: Überhaupt nicht. Der eine Castro ist so schlimm wie der andere. stacheldraht: Seit mehr als 30 Jahren leben Sie jetzt schon im kühlen Deutschland in Düsseldorf. Sie haben Familie, Heimat und später durch Krankheit auch die Musik verloren. Was ist Ihnen geblieben? de Dios: Meine Liebe zu Kuba. Und meine Musik, die ich im Herzen habe. stacheldraht: Señor de Dios, manche Exil-Kubaner sagen zum Abschied „Nächstes Jahr in Havanna!“. Das wünsche ich * Als offizielle Todesursache wird bis heute Pankreatitis angegeben. Diese Diagnose könnte formal sogar zutreffen, weil zu den möglichen Ursachen akuter Bauchspeicheldrüsenentzündung auch Bauchverletzungen zählen. |

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Juan de Dios Vinagera y Valle |
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Rhein-Bote Düsseldorf, Mittwoch 11. August 2010 Knapp dem Tod entronnen |
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Mittagessen mit Fidel Castro |
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